Honig vom Planeten Erde

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Quelle: Honig vom Planeten Erde von Sebastian Spiewok erschienen auf Deutsches Bienen-Journal 1/2020

Auf dem Etikett von manchen Honiggläsern im Supermarkt wird angegeben, dass es sich um eine Mischung von Honig aus EU-Länder und Nicht-EU-Länder handelt. Jeder von uns hat die Mengenlehre schon in der Grundschule gelernt. Es sollte also kein Wunder sein, dass diese Bezeichnung lediglich bedeutet, dass der Honig von unserem Planeten, der Erde, stammt.

Diese Bezeichnung mag zu unspezifisch erscheinen, ist gemäß der deutschen Honigverordnung jedoch gesetzlich konform. Die EU-Honigrichtlinie sieht vor, dass die EU-Staaten selbst entscheiden können, ob sie eine unspezifische Herkunftsangabe zulassen. Deutschland hat sich im Moment nicht dagegen ausgesprochen.

Andere Länder wie Griechland, Italien, Kroatien, Malta und Zypern sehen das anders und haben schon seit einigen Jahren nationale Regelungen verabschiedet, die eine genaue Angabe der Herkunftsländer vorschreiben. In 2019 wollten auch Frankreich, Spanien und Portugal das ändern und haben entsprechende Gesetzentwurfe formuliert. Die Herkunftsländer hätten in der Reihenfolge der jeweiligen Gewichtsanteile aufgelistet werden und laut französischen Entwurf sogar mit einem entsprechenden Schriftgröße wenn der Honiganteil die 20% Marke überschreiten würde.

Der spanische Entwurf hätte sowohl eine genaue Prozentangabe der Honiganteile als auch die Pflicht einer deutlichen Angabe eingeführt, wenn der Honig mit Wärme behandelt wurde. Die EU-Honigrichtlinie verbietet aber einzelstaatliche Rechtsvorschiften, wenn sie bereits in der Richtlinie festgestellt sind. Wenn man aber die Ergebnisse der Untersuchungen der ZDF-Sendung Nelson Müllers Lebensmittelreport vom 21. November 2019 betrachtet, wäre eine prozentuale Angabe der einzelnen Herkünfte vielleicht doch notwendig.

Die portugisiesche Regierung versucht gerade eine gemeinsame Position mit Frankreich und Spanien zu erreichen mit dem Ziel eine Überarbeitung der EU-Richtlinie anzustoßen.

Es ist kein Wunder, dass der Honigpreis in der EU aufgrund des billigen Importhonigs unter Druck steht. Man mag weiter über das Bienensterben reden aber was wirklich helfen würde, wäre die jenigen zu unterstützen, die sich um die Bienen kümmern. Wenn die Kunden die Herkunft des Honigs kennen würden, ist davon auszugehen, dass sie regionale Honige bevorzügen würden.

Wir wollen damit nicht sagen, dass Produkte aus Drittländern weniger wertig seien als einheimische Produkte. Es sollte aber jedem klar sein, dass die Kosten der Honigproduktion in Deutschland mit denen in China nicht zu vergleichen sind. Ohne einen angemessen Honigpreis gibt es sonst für die Imkerei hierzulande keine Zukunft.