Rund um Honig

Es ist nicht mehr möglich diesen Inhalt zu kommentieren

Alle Jahre wieder – Honig im Ökotest

Quelle: Von Bienen und Menschen

Es ist gut, dass es Verbrauchertests gibt, und es ist noch besser, dass die Honigregale in den Supermarktketten regelmäßig in den Fokus der Verbraucherschützer kommen. Auch in diesem Jahr werden nur 6 von 20 „Produkten“ der großen Honigmarken von der Zeitschrift Ökotest empfohlen. Die wichtigsten Kritikpunkte der Tester: Es fanden sich Rückstände von unerlaubten Arzneimitteln und Herbiziden sowie Genpollen in den Proben. Was die Honigtests nicht verraten: Wie kommen diese Massenprodukte in ihre „flinken Flaschen“ und was streicht sich der Billighonigkäufer eigentlich auf sein Frühstücksbrötchen?

Alle von Ökotest untersuchten Honige sind Mischhonige aus „aller Herren Länder“. Sie werden, anders als Imkerhonige, von den großen Handelsunternehmen bzw. Honighändlern auf einen bestimmten Geschmack und eine am Massengeschmack orientierte Konsistenz eingestellt. Vor allem die bei deutschen Konsumenten so beliebte Dünnflüssigkeit des Honigs wird, mit Ausnahme des Akazienhonigs, dadurch erreicht, dass man ihn „wärmebehandelt“.

Oder man presst den Honig mit hohem Druck durch mikrofeine Siebe. Dabei entstehen hohe Temperaturen, die die gesundheitswirksamen Fermente im Honig zerstören. Mikrofeine Restpollen werden entfernt, damit der Honig nicht mehr kristallisieren kann. Normalerweise müsste eine solche „Honigbehandlung“ auch auf dem Etikett stehen. Die Honigverordnung bestimmt das juristisch eindeutig. Doch wer kann, und ich fürchte auch, wer will das kontrollieren? Geschickte Fälschungen sind extrem schwierig nachzuweisen.

Für die Verfahren der „Honigreinigung“, wie sie vor allem in der honigverarbeitenden Industrie angewendet werden, gibt es natürlich die passenden Apparaturen, mit denen man „Honig, der für den Kunden attraktiv ist“ herstellt. Die Firma Honema zum Beispiel liefert die passenden Filtrierungsmaschinen.

„Der HONEMA Honig Filter …separiert Honig von jeder Art von großen Partikeln wie Larven, Teilen von toten Bienen und Wachs, welche das Erscheinungsbild des Honigs beeinflussen oder ein unangenehmen Geschmack oder Geruch bei dessen Lagerung verursachen können“

Man fragt sich natürlich, wie das was da herausgefiltert wird, überhaupt in den Honig hineinkommt. Abgesehen von Wachspartikeln, die jeder Honig enthält, spricht das jedenfalls nicht für eine gewissenhafte Imkerei. Doch am großen Geschäft mit „dem flüssigen Gold“ ist noch mehr skandalträchtig.

Gesetzlich vorgegebene Herkunftsbezeichnungen öffnen der Honigpanscherei Tür und Tor und führen den Verbraucher bewusst in die Irre. Die Honigverordnung schreibt hier lediglich vor anzugeben, ob Honig eine : a)„Mischung von Honig aus EU-Ländern“,  b) „Mischung von Honig aus Nicht-EU-Ländern“,  c) „Mischung von Honig aus EU-Ländern und Nicht-EU-Ländern“ ist.

Das ist so ähnlich, als würde man einen Flaschenwein mit „Appellation d’Origine Contrôlée Europe“ deklarieren. Und welchen Sinn machen erst Angaben die man gleichsetzen kann mit  „Herkunft garantiert von keinem anderen Stern„. Solche Kategorien geben uns Verbrauchern keine Orientierungshilfe für die Bewertung der Regalhonige und ein nachvollziehbarer Qualitätsmaßstab sieht anders aus. Das ist bürokratischer Etikettenschwindel der betrügerischen Praktiken im Honiggeschäft alle Türen öffnet. So geraten dann auch Honige aus, wie es in der Branche heißt, „ökologisch ungünstigen Regionen“ in die Regale der Supermärkte und Discounter.

Kanadischer Raps-Honig enthält zum Beispiel nicht nur nahezu 100% gentechnisch veränderten Pollen, sondern auch einen entsprechend hohen Anteil Nektar vom Genraps. Gleichzeitig gibt es hohe Schwellenwerten für eine Deklarationpflicht wegen gentechnisch veränderter Pflanzenanteile im Honig. Bei den laxen Deklarationspflichten darf man sich also nicht wundern, wenn die Honigabfüller verunreinigten Honig in die Supermarktregale und auf unser Frühstücksbrötchen bringen. In die Honigpampe, die die Industrie zu ihrem fragwürdigen Qualitätshonig verrührt, kann man nach europäischem Lebensmittelrecht so viel anderen gentechnikfreien Honig untermischen, bis man den vorgegebenen Grenzwert unterschreitet. So sieht Verbraucherschutz made in EU aus.

Ausgerechnet Mexiko, ein Land, das mit dem Konsum von Genfood eine spektakuläre Skandalhistorie hat, ist mit über 17.000 Tonnen das größte Honigimportland für Deutschland. „Keine einzige Probe mit Anteilen von Honig aus Amerika ist frei von gentechnisch veränderten Pollen.“ heißt es dann auch im Ökotestbericht.

Platz zwei im deutschen Honigimportranking hat die Ukraine. „Die Ukraine steht im Bereich des Umweltschutzes vor beträchtlichen Herausforderungen“ so steht es in einem EU-Papier. Das ist Diplomatendeutsch und bedeutet im Klartext: Besonders im Donesz Becken, aber auch anderswo gibt es haufenweise nicht aufgearbeitete industrielle Altlasten. Die Tschernobyl-Folgen des Reaktorunfalls sind immer noch deutlich nachweisbar. Und last but not least: das Umweltbewußtsein der dortigen Bevölkerung befindet sich nach wie vor auf einem sehr niedrigen Niveau.

Aber die Industrie beruhigt: Zumindest für die Belastung mit radioaktiven Nukleiden und Schwermetallen hat man doch elegante Lösungen. Noch einmal O-Ton Honema: „Die Honig Schmelz- und Filteranlage HONEMA ClearHoney kann für die Reinigung von Honig aus ökologisch ungünstigen Regionen verwendet werden, welche mit Radionukliden und Schwermetallen verunreinigt sind.“

Wie beruhigend! Das klingt ja fast wie ein Märchen: „Ich habe eine Tochter, die kann Stroh zu Gold spinnen.“ und „Ach wie gut, dass niemand weiß, dass ich Rumpelstilzchen heiß“

China belegt als Honigimporteur Platz drei. Das ist das Land, das bezüglich Umweltstandards nicht gerade zu den globalen Musterschülern gehört. Wie heißt noch mal seit den 70er Jahren die offizielle Staatsdoktrin in diesem Land des Lächelns: „Wir werden nicht aus Angst vor Verunreinigung der Umwelt darauf verzichten, unsere Industrie zu entwickeln.“

Es sind nicht nur die nachweisbaren Schadstoffe, die besonders bei Importhonig aus China problematisch sind. Honigfachleuten ist schon lange aufgefallen, dass die offiziellen Zahlen der Bienenvölker im Land der Mitte in einem ziemlichen Missverhältnis zu dem überdurchschnittlich hohen Ertrag der chinesischen Imkerei stehen.

Nicht nur „böse Zungen“ behaupten, dass solche „astronomischen“ Erträge nur durch Beimischung von Reissirup erklärt werden können. Und auch hier gilt: Solche Panschereien sind nur schwer nachweisbar. Sirupe aus sogenannten C3-Pflanzen, wie zum Beispiel Reis, Weizen oder Zuckerrüben, können mit der in der Honiganalyse üblichen Methode der Massenspektografie nicht nachgewiesen werden, schreibt das „Bienenjournal“ 2015. Hier ist auch zu lesen, dass man in China im industriellen Maßstab unreifen Honig aus den Bienenstöcken erntet und ihn dann in „Honigfabriken“ trockenfönt.

Der deutsche Honig-Verband, die Lobbyvereinigung der Honig-Abfüllbetriebe, kennt seine Pappenheimer und nimmt sie ganz unverblümt in Schutz. Statt für bessere Honigqualitäten der Zulieferer einzutreten, liest man auf der Verbandshomepage, dass es gelte, gegen  „die Diskriminierung von Drittländern durch die EU einzutreten.“ Es gehört schon eine gehörige Portion Frechheit dazu, wenn man dann auch noch behauptet „Wir informieren Konsumenten und Presse über das Naturprodukt Honig und setzen uns für die Einhaltung des Reinheitsgebots ein“. Die regelmäßigen Verbrauchertests strafen die Honigindustrie seit nunmehr fast 50 Jahren.Jahren regelmäßig Lügen.

Mein Fazit: In den 50er Jahren hat der Konsumkritiker Vance Packard angemerkt, dass die amerikanische Lebensmittelindustrie es geschafft habe, aus hochwertigen landwirtschaftlichen Rohprodukten Junkfood zu machen. In Europa sind wir da heute viel weiter. Wir haben es geschafft, minderwertigen Honig, der eigentlich auf die Sondermülldeponie gehört, in den Regalen des Einzelhandels zu platzieren.

Mein Rat: Finger weg von Flinken Flaschen und Billighonigen. Da geht nicht, wie versprochen, „die Sonne auf“. Lassen Sie sich nicht für dumm verkaufen: Allein beim Honig vom Imker mit einer deutlichen (klein)regionalen Herkunftsbezeichnung findet der Konsument den naturbelassenen Honiggenuss und garantierte Honigqualität, die er ja einkaufen will.

P.S.: Angesichts der Maschinen, die von den großen Honig-„Erzeugern“ zum Einsatz gebracht werden, stellt sich mir abschließend die Frage: Warum zapfen wir eigentlich nicht auch unser Trinkwasser direkt aus dem Abfluss der nächsten Kläranlage?

Dieser Artikel ist von Marzellus Boos, Autor von „Bienen – Die Seele des Sommers“. Wer mehr über das Buch erfahren möchte, kann es machen unter www.mellonia.de

Bienen – Die Seele des Sommers beim buch7.de, dem Buchhandel mit der sozialen Seite, im Rahmen des Partnerprogramms „Imkerhonig – Honig direkt vom Imkerbestellen.

Regionaler Honig, ein Spiegelbild der Landschaft

Regionaler Honig: Regionale Herkunft spielt bekanntlich bei der Kaufentscheidung eine immer stärkere Rolle.

Kurzfassung vom Artikel von Dr. Birgit Lichtenberg-Kraag vom LIB Hohen Neuendorf erschienen auf die Biene, Heft 02/2014, pp. 18 – 19

Die im Honig enthalten Pollen zeigen uns bekanntlich seine botanische Herkunft an, d.h. von welchen Pflanzen die Bienen Nektar gesammelt haben. Untersucht man viele Honige aus einer Region, erhält man ein typisches Pollenprofil.

Projekt zur Charakterisierung von Honigen

Im Jahr 2007 wurde das Forschungsprojekt „Authentifizierung von Honigen ausgewählter Regionen“ ins Leben gerufen. Ziel war es herauszufinden, ob man Honigen aus einer bestimmten Region das Prädikat „typisch bzw. authentisch“ für dieses Gebiet zusprechen kann.

Insgesamt haben sich fünf Regionen an dem Projekt beteiligt, darunter Berlin und der Spreewald.

Regionaler Honig aus der Stadt bzw. aus dem Land

In der Stadt: Pollen von Gehölzen

Generell sind in Städten Bäume und Sträucher die wichtigsten Trachtpflanzen. In fast allen Honigen findet man zudem unabhängig von der Jahreszeit Vergissmeinnicht. Der Rapspollenanteil ist sehr niedrig (10 – 15 %), in ca. 70% der Sommerhonige findet man gar keinen Rapspollen.

Auf dem Land: Nutz und Wildpflanzen

Regionaler Honig aus demSpreewald: die Kornblume dominiert

photo credit: Mauerweg via photopin (license)

Die Honige aus dem überwiegend ländlichen Regionen zeigen ein komplett anderes Bild. Dieses ist erwartungsgemäß ganz entscheidend von der Art der Landwirtschaft geprägt. Dabei wurde schnell deutlich, dass in den Frühjahrshonigen der Raps sehr dominierte. Der Anteil an Rapspollen lag im Schnitt bei 70 – 80 %, und diese Honige enthielten im Durchschnitt nur etwa 20 verschiedene Pollentypen.

Im Gegensatz zur Stadt nehmen hier Wildpflanzen, aber auch andwitschaftliche Nutzpflanzen einen wesentlich größeren Trachtanteil ein als Bäume und Sträucher. In den Sommerhonigen des Spreewalds dominiert die Kornblume, die in vielen Regionen Deutschlands kaum noch zufinden ist.

Regionalität als Verkaufsargument

Im Spreewald wurde das Projekt von der Bürgerstiftung Kulturlandschaft Spreewald unterstützt. Daraus ist der Spreewälder Stiftungshonig entstanden, der an attraktiven Standorten an Touristen vermarktet wird. Die Einnahmen aus dem Verkauf sollen in Imkerprojekte vor Ort fließen. Ein Beispiel, das zeigt, wie dieses Projekt in die Praxis umgesetzt werden kann.

Für Berliner Imker besteht jetzt auf Anfrage die Möglichkeit, die Ergebnisse des Projektes zum „Berliner Stadthonig“ in Form eines Plakates zu präsentieren und damit den Kunden die Trachtpflanzenvielfalt ihrer Honige zu demonstrieren.


Nicht zu vergessen: regionaler Honig!!!
Ihr erhaltet somit die Bestäubungsleistung in eurer Umgebung, denn nur regionale Bienen besuchen euren Obstbaum, nicht die aus „EU- und Nicht-EU-Ländern“. Und nur bestäubte Blüten werden zu schönem Obst.

Bienen nutzen Honig als Medikament

Weltweit gibt das Bienensterben Anlass zu großer Sorge. Auch Darmkrankheiten tragen in erheblichem Maße zum Sterben ganzer Bienenvölker bei. Bienen sind jedoch in der Lage, sich selbst vor Infektionen schützen, indem sie die natürlichen Heilstoffe des Honigs nutzen. Im Gegensatz zu gesunden Tieren bevorzugen kranke Bienen die Honige, die besonders wirksam gegen Infektionen des Darms sind. Zu diesem Schluss kommen Wissenschaftler vom Institut für Biologie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg in ihren aktuellen Untersuchungen. Die wegweisenden Ergebnisse sind jetzt im Fachmagazin „Behavioral Ecology and Sociobiology” erschienen.

In einem Bienenstock leben viele Tausend Bienen auf engem Raum bei über 30 Grad Celsius und hoher Luftfeuchtigkeit zusammen. Es herrschen ideale Bedingungen für die Ausbreitung von Infektionskrankheiten. Die Infektion wehren Bienen zum einen mit Hilfe ihres Immunsystems ab. Zum anderen enthält der von ihnen produzierte Honig natürliche Inhaltsstoffe, die gegen Bakterien, Pilze oder Viren wirken. Diese können den Bienen helfen, ihre Krankheiten zu kurieren.

Die Wissenschaftler um Dr. Silvio Erler und Prof. Dr. Robin Moritz von der Universität Halle untersuchten gemeinsam mit Forschern der Universität Cluj-Napoca (Rumänien), ob Honig von den Bienen nicht nur als Nahrungsmittel, sondern auch als Heilmittel zur Behandlung von Bienenkrankheiten genutzt wird. „Wir haben untersucht, ob Bienen entsprechend ihres Gesundheitszustands bei der Wahl des Honigs neben dem Nährwert, auch den Heilwert berücksichtigen“, so Erler.

Im Labor infizierten die Forscher Bienen mit dem Darmpilz Nosema ceranae und verglichen dann, wie gesunde und kranke Bienen zwischen verschiedenen Honigen wählten. „Wir beobachteten, dass infizierte Bienen keinen Unterschied zwischen Linden- und Robinienhonig machten. Während Honigtauhonig von ihnen kaum gewählt wurde, hatten sie jedoch eine große Vorliebe für Sonnenblumenhonig, die mit zunehmender Infektion der Bienen sogar anstieg“, sagt Erler.

Anschließend untersuchten die Wissenschaftler die Wirksamkeit der Honige auf die Darminfektion. Und tatsächlich: „Die Bienen wiesen wesentlich geringere Sporenmengen im Darm auf, wenn sie sich ausschließlich von Sonnenblumenhonig ernährt hatten. Bienen, die Honigtauhonig konsumiert hatten, zeigten hingegen einen stärkeren Befall.“ Auch im Labortest zeigte der Sonnenblumenhonig eine bessere Wirkung als der Honigtauhonig.

„Honig ist also nicht nur gesund für den Menschen, sondern auch für die Bienen selbst, die im Krankheitsfall nicht den Honig wählen, der besser schmeckt, sondern den, der besser hilft“, so Erler.

Quelle: http://idw-online.de/de/news603963