Superorganismus Bienenvolk

Kurzfassung vom Artikel von Peter Fluri und Peter Gallmann erschienen auf die Biene, Heft 01/2014, pp. 20 und 21


Die Honigbiene (Apis mellifera) ist bei uns die bekannteste Vertreterin der sozialen Insekten. In Bezug auf die fast 1 Million Insektenarten stellen die sozial lebenden Arten nur etwa zwei Prozent dar.

Die sozialen Insekten führen eine gut organisierte Lebensweise in übergeordneten Gemeinschaften, die man auch als Völker oder Staaten bezeichnet. Die Individuen erlangen in diesem Tierverband neue Fähigkeiten, wie die Wärme- oder Feuchtigkeitsregulation, die dem einzelnen Tier nicht möglich wären. Deshalb bezeichnet man das gesamte Volk auch als Sozial- oder Superorganismus.

Tiergemeinschaften werden als Staaten bezeichnet, wenn folgende Merkmale zutreffen:

  • Die Brutpflege erfolgt kooperativ durch mehrere Individuen.
  • Es sind fruchtbare und unfruchtbare Individuen vorhanden (Kasten).
  • Es leben mehrere Generationen (Mutter, Töchter) zusammen.

Tiergemeinschaften, die alle drei Merkmale aufweisen, nennt man eusozial („eu“ > echt). Dies ist die am höchsten entwickelte Stufe der Sozialität.

In eusozialen Tierstaaten werden auch folgende Leistungen gemeinsam erbracht:

  • Nahrungsbeschaffung, -verteilung, -lagerung.
  • Nestbau.
  • Regulierung des Nestklimas.
  • Verteidigung.
  • Schlaf-, Überwinterungsgemeinschaften.

Die Honigbienen gehören zu den Arten, bei denen die Sozialität bis zu einer höchsten Stufe entwickelt ist. Bei ihnen erfolgt bereits die Volksgründung auf kooperative Weise durch Staatsteilung (Schwarm).

Bei den Honigbienen Mitteleuropas (Apis mellifera) besteht ein Volk im Sommer aus rund 15.000 bis 30.000 und im Winter aus 5.000 bis 10.000 adulten Arbeitsbienen, einer adulten Königin und je nach Jahreszeit unterschiedlichen Mengen von adulten Drohnen sowie von Eiern und Larven von Arbeitsbienen, Drohnen und manchmal auch von Königinnen.

Bei Honigbienen gibt es eine reproduktive Kaste (die Königin) und eine nicht reproduktive Kaste (die Arbeitsbienen). Die Festlegung der Kaste erfolgt bekanntlich in den ersten drei Tagen der Larvenentwicklung aufgrund unterschiedlicher Qualität und Menge des Larvenfutters (insbesondere Zucker, Eiweiße, Aminosäuren, Vitamine, Mineralstoffe).

Alters- und saisonabhängig durchläuft die adulte Arbeitsbiene verschiedene Phasen: Winter- oder Sommerbiene und unter den letzteren Amme, Bau-, Wächter- und Sammelbiene.

Königinnen leben mehrere Jahre, Arbeitsbienen nur mehrere Wochen (Sommerbienen) oder Monate (Winterbienen). Ohne diese flexible Regulation der Lebensdauer bei den Arbeiterinnen wäre die quasi immerwährende Existenz des Superorganismus nicht denkbar.

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