So wird die Bienenwabe sechseckig

Kurzfassung vom Artikel von Dr. Heike Rufferschienen auf die Biene, Heft 02/2014, pp. 10 und 11


Das Baumaterial für die Waben produzieren die Bienen selbst: Auf der Bauchseite der Arbeiterinnen befinden sich Wachsdrüsen, aus denen sie kleine Wachsplättchen „ausschwitzen“ und zu Wabenzellen verbauen. Diese Aufgabe übernehmen Bienen zwischen ihrem 12. und 18. Lebenstag. Denn dann sind die Drüsen am leistungsfähigsten.

Die Waben bestehen aus vielen einzelnen, gleichmäßig angeordneten sechseckigen Wabenzellen. Das Sechseck ist die Form mit der höchsten Eckzahl, die eine Fläche komplett bedecken kann – die optimale Lösung also, wenn man ein großes Raumvolumen nutzen will. Und das mit möglichts wenig Materialverbrauch.

Das Wachs wird – vermischt mit einem Drüsensekret – mit den Mundwerkzeugen geknetet und anschließend verbaut. Für 1 Gramm Wachs müssen Bienen ordentlich schwitzen und ungefähr 1.250 Schuppen produzieren. Eine enorme Leistung, wenn man bedenkt, dass ein Schwarm für die Errichtung einer neuen Behausung je nach Größe bis zu 1.200 Gramm Wachs produzieren muss – und dafür etwa bis zu 7,5 Kilogramm Honig verbraucht.

Wie es den Bienen tatsächlich gelingt, die Waben so perfekt gleichmäßig zu bauen, haben Wissenschaftler aus Würzburg um Professor Tautz bereits 2004 herausgefunden. Die Bienenwaben sind nämlich nicht von Anfang an sechseckig (hexagonal), sondern haben eine runde Ausgangsform. Der Boden einer jeden Zelle ist als Halbkugel geformt. Während die Bienen an diesen zylinderförmigen Rohlingen arbeiten, erwärmen sie das Wachs auf 45 Grad Celsius. Die Zellwändere nehmen die energetisch sparsamste Form ein – das Sechseck.

Verantvortlich für die „automatische“ Umformung von einer runden in eine hexagonale Form ist demnach der physikalische Effekt der Oberflächenspannung von Flüssigkeiten, der bei Grenzflächen zu einer absolut planen Struktur mit konstanter Wanddicke führt.

Erst wenn das Wachs beim Aufheizen die sogenannte Sprungtemperatur (40 – 45 °C) erreicht und schmilzt, füllt es die kleinen Hohlräume zwischen den sich berührenden Flächen aus. Deswegen müssen Bienen das Wachs vor allem dort zum Schmelzen bringen, wo Wabenzellen aneinanderstoßen – also an ihren Verbindungspunkten („triple junctions“). Um die Waben so exakt aufzuheizen, müssen Bienen nicht nur die entsprechende Temperatur erzeugen können, sondern die Temperatur auch exakt erfassen. Das ermöglichen spezielle Sinneszellen in ihren Fühlern (Antennen), mit denen sie Temperaturdifferenzen von 0,05 °C messen und sogar die Dicke der Zellwände feststellen können.

Die Waben sind aber weit mehr als nur Lagerplatz für Honig und Pollen, Wohnraum und Kinderstube. Betrachtet man ein Bienenvolk als Ganzes – also den Superorganismus „Bien“, dienen die Waben als Skelett und haben wichtige Funktionen als Gedächtnis, Kommunikations-, Nerven- oder Immunsystem. So sind Waben beispielweise Informationsträger für die Königin, die vor der Eiablage die Größe der Wabenzelle ertastet. In die kleineren Zellen (5,2 bis 5,4 Millimeter) kegt sie ein befruchtetes Ei, aus dem sich die weibliche Arbeiterin entwickelt. Unbefruchtete Eier legt die Königin dagegen in Wabenzellen mit einem größeren Durchmesser (6,2 bis 6,4 Millimeter), aus denen später die männlichen Drohnen schlüpfen.

Es ist nicht mehr möglich diesen Inhalt zu kommentieren